Lovćen Nationalpark

"Klein aber oho" - geballte Vielfalt an Natur und Kultur auf kleinstem Raum

Montenegro Experte

Thomas Wöhrstein

Veröffentlicht: 8. Juli 2024

Update: 8. Juli 2024

Nationalpark Lovćen

“Klein aber oho” möchte man fast sagen, nachdem man ein paar Tage im Lovćen Nationalpark verbracht hat. Mit gerade einmal 6.220 Hektar ist der bereits 1952 zum Nationalpark ernannte Lovćen der zweitkleinste unter den montenegrinischen Nationalparks. 

Doch davon sollte man sich keinesfalls täuschen lassen. Aufgrund seiner geographischen Lage an vorderster Front und der hier fast senkrecht von der Küste weg bis zu 1600 m hoch ansteigenden Küstengebirgskette bildet der Lovćen eine Wetterscheide mit beeindruckenden Wetterphänomenen und extremen Wechseln zwischen Luv- und Lee-Seite auf kleinstem Raum. Während der Kopf noch in den Wolken steckt gehen die Füße schon in der Sonne sagt man. Ein schmaler Grat trennt hier das Mittelmeerklima und das kontinentale Klima des Landesinneren. Diese Wetterphänomene haben kleinräumig zu sehr unterschiedlichen Vegetationszonen geführt. Dazu kommt im Lovćen Nationalpark seine geschichtliche Bedeutung mit kulturhistorischen Hinterlassenschaften aus verschiedenen Zeitperioden, allen voran das Mausoleum, die heute darauf warten vom Besucher entdeckt zu werden. 

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Geomorphologisch interessierte Parkbesucher wird der hier offen zutage tretende Karstformenschatz begeistern, der dank des im Park bis heute gut erhaltenen habsburgischen Straßen- und Wegenetzes zudem noch besonders leicht zugänglich ist. Die Berghänge im Park sind sehr felsig, mit zahlreichen typische Karstformationen wie Höhlen, zahlreichen Dolinen und wunderschön ausgeprägten Karstschraffen, die dem Gebiet sein besonderes und charakteristisches Aussehen verliehen haben. Von den beiden höchsten Gipfeln im Park, Lovćen und Jezerski Vrh, hat letzterer eine besondere Bedeutung, denn hier steht das Mausoleum des montenegrinischen Fürsten, Bischof und berühmten Dichters Petar II. Petrovic Njegoš.

Zugänge zum Park gibt es von Budva und Cetinje aus. Von Budva bzw. Tivat kommend hat man inzwischen die Qual der Wahl zwischen der legendären, historischen Serpentinenstraße und einer nicht minder spektakulären neuen Seilbahn. Auch von Cetinje aus fährt man auf einer geschichtsträchtigen ehemaligen Karawanenstraße, welche die frühere Hauptstadt Cetinje mit den Häfen an der Küste verbunden hat. 

Besonders hervorzuhebende Schutzgebiete innerhalb der Parkgrenzen sind:

  • der See unterhalb vom Jezerski Vrh ist ein wichtiges herpetologisches (Amphibien und Reptilien) Reservat
  • der Schlangenhautkiefer-Weld Pinus heldreichii
  • das Konjsko, ein Buchenwaldreservat
  • Ljubin potok, ein Schwarzkieferreservat
  • die Wasserreservate von Rueva lokva
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Natur

Flora

Die Flora des Lovćen-Massivs besteht aus etwa 1.300 Pflanzenarten – eine gewaltige Anzahl angesichts der vergleichsweise kleinen Fläche. Darunter sind eine erstaunliche Anzahl von endemischen und seltenen Pflanzen, sowie zahlreiche Heil-, Aroma-, Honig- und bekannten Zierpflanzen.

Die Waldvegetation nimmt rund 70% der Nationalparkfläche ein. Auf Sträucher und niedrige Wälder mit schwarzen Hainbuchen folgt ein Buchenwaldgürtel. Darüber, an den nordöstlichen Hängen des Berges Štirovnik und teilweise auf dem Jezerski Vrh, ist eine stattliche Anzahl der seltenen Schwarzkiefer zu finden.

Die restlichen 30 % der Nationalparkfläche sind mit Weide- und Karstvegetation bedeckt.

Endemische und seltene Arten im Nationalpark sind die Lovćen Glockenblume, saxifraga federici-augusti (Hängetrauben-Steinbrech), Grisebach Wildtulpen, Moltkia, gemeiner Goldregen, seseli globiferum (Geknäulter Berg-Fenchel), fritillaria orientalis (Orientalische Schachblume) – um nur einige bedeutende Arten zu nennen.

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Fauna

Die Vielfalt unterschiedlicher Biotope und ökologischer Nischen, die klimatischen Extreme und unterschiedlichen Waldarten insbesondere Buchen- und Eichenwälder, sowie das typische Karstgelände haben im Lovćen Nationalpark zur Entwicklung einer besonders vielfältigen und komplexen Fauna beigetragen.

Mediterrane und submediterrane Arten sind charakteristisch für die Insektenfauna. Im Parkgebiet gibt es sagenhafte 85 Schmetterlingsarten, leider auch 10 Borkenkäferarten und ganze 45 Arten von Schwebfliegen.

Das Gebiet unterhalb von Jezersko ist ein regelrechtes Fortpflanzungszentrum für verschiedene Arten von Amphibien, wie den Zwergmarmormolch, die gemeine Kröte, der Teichfrosch, der seltene Alpen-Kammmolch und die Gelbbauchunke. Aufgrund dieser Vielfalt auf kleinstem Raum wurde das Gebiet als herpetologisches Reservat von europäischer Bedeutung eingestuft. Die Fauna des Lovćen beinhaltet eine bedeutende Anzahl Reptilienarten: Griechische Landschildkröte, Dalmatinische Spitzkopfeidechse, Mosoreidechse, Hornviper, Wiesenotter, Scheltopusik u.a.

Im Lovćen Nationalpark gibt es über 200 Vogelarten – einige von ihnen nisten hier, andere sind Zugvögel auf der Durchreise. Besonders hervorzuheben sind dabei der Goldadler, der östliche Kaiseradler, der Wanderfalke, der nördlicher Sperlingsfalke, das Felsrebhuhn, die Felstaube und viele mehr.

Große Säugetiere, die im Park leben, sind Wildschweine, Wildkatzen, Wölfe, Bären und Hirsche. Kleinere Säugetiere, die hier leben, sind der Weißbrust-Igel, Kaninchen, Eichhörnchen, der zu den Bilchen gehörende Baumschläfer, die östliche Breitzahnmaus und die endemische montenegrinische Wühlmaus.

Kultur

Die Kultur und Historie des Lovćen Nationalparks bilden sich auch in einem vielfältigen architektonischen Erbe ab. Die Gedenkstätten, sakrale und profane Volksarchitektur und verschiedene technische Einrichtungen konzentrieren sich dabei auf das Gebiet von Ivanova Korita und dem an der Parkgrenze gelegenen kleinen Ort Njeguši.

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In Njeguši, im Weiler Erakovici, findet man Museumshäuser der montenegrinischen Herrscher aus der Petrović-Dynastie. Auf dem Berg Jezerski Vrh, einem der höchsten Gipfel des Lovćen-Massivs, befindet sich das eindrucksvolle Mausoleum des berühmten montenegrinischen Dichters und Fürsten – Bischof Petar II. Petrovic Njegoš.

Die sakrale Architektur der Region Njeguši zeichnet sich auch durch ländliche Kirchen mit einer einfachen Architektur aus. Bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts waren 17 solcher Kirchen in der Region gebaut worden.

Im weiteren Umfeld von Njeguši sind in der Architektur zahlreiche historische Elemente zu finden, wie zum Beispiel traditionelle Steinhäuser mit Ställen, Hütten, Guvna (kreisförmige angeordnete und von einer kniehohen Mauer umgebene Versammlungsorte Alt-Montenegros), Ublo (Zisternen um Regenwasser zu sammeln) und Steinhöfe.

Von besonderer architektonischer Bedeutung ist die alte Karawanenroute mit ihren berühmten Lovćen-Serpentinen, die sich vom Njeguši -Gebirge bis nach Kotor erstreckt.

Tourismus

Aktivurlauber und Naturliebhaber werden im Nationalpark vielfältige Betätigungsmöglichkeiten finden. Ob Wandern, Radfahren oder einfach nur die wunderbare, ursprüngliche Natur genießen – der Park bietet für jeden Geschmack das Richtige. Kulturliebhaber werden sich an den traditionellen Dörfern, Kirchen und historischen Denkmälern erfreuen.

Besucherzentrum

Das Besucherzentrum des Nationalparks befindet sich in Ivanova Korita, das auch den besten Ausgangspunkt für Wanderungen im Park darstellt.  In einem kleinen Nebenraum des Infozentrums werden zahlreiche Naturexponate für die Besucher präsentiert. Hier findet man einen Querschnitt durch die lokale Fauna wieder, wie z.B. Wölfe, Füchse und viele weitere Tierarten. Die charakteristischen Vogelarten der Region sind in Dioramen zu sehen, die sie hier in ihren natürlichen Lebensräumen zeigen.

Hier gibt es auch einen Souvenirladen, in dem authentische handgefertigte Produkte, Souvenirs, Karten und verschiedene Publikationen erworben werden können.

Öffnungszeiten:

  • Während der touristischen Sommersaison täglich von 9:00 – 17:00 Uhr
  • Außerhalb der Saison an Wochentagen 10:00 – 15:00 Uhr 

Wandern

Es gibt fünf beschilderte Rundwanderwege unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrade. Bei der Beschilderung der Wege wurde auf möglichst großen Abwechslungsreichtum Wert gelegt. Daher findet der Wanderer sowohl kulturelle als auch natürliche Sehenswürdigkeiten entlang seines Weges. Entlang der Wanderwege gibt es einige Rastplätze. Trotz der Beschilderung sollte unbedingt eine Wanderkarte mitgeführt werden. Während der heißen Sommermonate ist das Mitführen von ausreichend Wasser ein Muss!

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Die Nationalpark Verwaltung empfiehlt folgende Wandertouren:

Eine Rundtour nach Kuk (14 km lang, ca. 4 h, Rundweg) – Der Weg führt von Ivanova Korita durch das Dorf Velji Botun bis zur Studenac-Quelle und dem Katun Kuk, wo einige schöne Elemente der traditionellen Volksarchitektur (Häuser mit Steinhöfen, strohbedeckte Scheunen und Gumno) erhalten blieben. Vom Katun Kuk führt der Weg zu einem Panoramablick auf die Bucht von Kotor und dann über Katun Dolovi zurück nach Ivanova Korita.

Ivanova Korita – Jezerski Vrh (Mausoleum) (Länge 11 km, Gehzeit 3 h, Rundweg) – Der Weg führt vom Besucherzentrum im Ivanova-Tal über das Dorf Mali Bostur zum Mausoleum auf dem Jezerski Vrh, mit einem atemberaubenden Blick auf den größten Teil Montenegros, und zurück über das Dorf Velji Bostur nach Ivanova Korita.

Der Lehrpfad (Wanderweg des Wolfes) (6,8 km lang, Gehzeit 1 Std. 30 min, Rundweg) beginnt am Besucherzentrum und führt zum Rastplatz Kraljevo, dann weiter zum Katun Kuk (Alm) mit Panoramablick auf das Katun Kuk und Ivanova Korita. Entlang des Weges gibt es Karstformen (Höhlen, Karstschraffen, Dolinen u.a.), Buchenwälder, Elemente der traditionellen Volksarchitektur (Häuser, Scheunen und erhaltene Grundmauern). Es gibt wunderschöne Rundbliche auf die Budva Riviera und die Bucht von Kotor.

Barfußpfad

Der Barfußpfad befindet sich in der Nähe des Besucherzentrums in Ivanova Korita. Seine Länge beträgt gut 100 Meter. Es gibt eine Reihe von Feldern, die mit verschiedenen natürlichen Materialien gefüllt sind (Sand, Baumrinde, Tannenzapfen, Kies, etc.). Barfuß, erst auf weicheren, dann auf etwas gröberen Materialien, gewöhnen sich die Besucher nach und nach an die natürlichen Oberflächen. Die Fußflächen werden sanft massiert.

Mountainbiking

Den Park mit dem Fahrrad zu erkunden ist eine körperliche Herausforderung, zum einen wegen der vielen steilen Anstiege im Gelände, zum anderen wegen der teils rauen Schotterwege. Es gibt drei markierte Wege für Mountainbiker, wobei man hier die Wege immer auch mit den Wanderern teilen muss.

Wer kein eigenes Fahrrad mit dabei hat, kann sich die notwendige Ausrüstung im Nationalpark Besucherzentrum Ivanova Korita leihen.

Wir empfehlen folgende Radwege:

Tre-teni-ki Vrh und Babina Glava (Länge 13 km, Fahrzeit 3 Stunden, Rundlauf) – Der Weg beginnt bei Ivanova Korita, führt durch den Katun Dolovi und über Vjetreni Mlini zu einem Panoramablick auf Babina Glava (1.474 Meter Höhe) und einem Panoramablick auf den Gipfel Trestenik (1.489 Meter Höhe) und zurück nach Ivanova Korita. Die Höhenunterschiede sind relativ gering. Die gesamte Strecke folgt einer alten österreichisch-ungarischen Militärstraße. 

Jezerski Vrh/Lake peak (1.657 Höhenmeter) – Dies ist eine besonders eindrucksvolle Radtour zum Mausoleum des Montenegrinischen Prinzen, Bischof und großem Poeten Petar II Petrovic Njegoš. An klaren Tagen kann man von hier aus fast ganz Montenegro sehen: Die Berge Orjen und Rumija, die Bergmassive Durmitor und Komovi, sowie Teile Albaniens, Herzegowinas und Kroatiens. In klaren Winternächten sind in der Ferne über dem Meer sogar die “Lichter von Italien” von hier oben aus zu sehen.

Panoramaaussichten

Aufgrund seiner geographischen Lage ist der Park ideal, um an den zahlreichen Aussichtspunkten die Landschaft zu genießen. Zur einen Seite hin schweift der Blick über die Bucht von Kotor und auf die Riviera von Budva, zur anderen Seite hin über das große Becken des Skadar-Sees sowie auf das sogenannte ‚Steinerne Meer‘, einer einzigartigen Karstlandschaft.  Die Aussichtspunkte sind leicht zugänglich und durch markierte Wanderwege erschlossen. 

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Die Nationalpark Verwaltung empfiehlt folgende Panoramaaussichten:

Gipfel Trestenik (1.474 m Höhe), von wo aus Ivanova Korita, die Gipfel von Babljak, Štirovnik und Jezerski Vrh/Lake Peak, Cetinje, Skadar See und Podgorica zu sehen sind.

Kuk (1.240 m Höhe) „Die schönste Begegnung von Land und Meer”, wie einst vom englischen Dichter Lord Byron geschrieben. Man kann diese Begegnung selbst erleben, wenn man von diesem Panoramablick auf die Ausläufer des Bergmassivs und auf die Bucht von Kotor schaut.

Jezerski Vrh/Seegipfel (1.657 Höhenmeter) – Hier befindet sich das Mausoleum des montenegrinischen Fürsten, Bischof und Dichters Petar II. Petrovic Njegoš. An klaren Tagen kann man von hier aus fast ganz Montenegro sehen: Die Berge Orjen und Rumija, die Bergmassive Durmitor und Komovi, sowie Teile Albaniens, Herzegowinas und Kroatiens. In klaren Winternächten sind in der Ferne über dem Meer sogar die “Lichter von Italien” von hier oben aus zu sehen.

Lesewald

In der Nähe des Besucherzentrums befindet sich ein Lesewald mit Hängematten und bereitgestellten Büchern. Mit einem guten Buch in der Hand können Parkbesucher im Schatten eines kühlen Buchenwaldes relaxen und die Natur genießen.

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